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11.12.2009

Wo die wilden Kerle wohnen“ – Kein leichtes Kinderkino

dpa San Francisco.
Von Barbara Munker
Auf knapp 40 illustrierten Seiten mit gerade mal knapp 340 Wörtern erzählt Maurice Sendak in „Wo die wilden Kerle wohnen“ die Geschichte des neunjährigen Max. In seinem Wolfskostüm treibt er allerhand Unfug, bis ihn seine genervte Mutter zur Strafe ohne Abendbrot aufs Zimmer schickt.
 
Der amerikanische Regisseur Spike Jonze wagte sich daran, den Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1963 in einen 101 Minuten langen Film zu verwandeln. Nach seinem einfallsreichen Regie-Debüt mit der skurrilen Komödie „Being John Malkovich“ (1999) und der Hollywood- Satire „Adaption“ (2002) ist ihm wieder ein Meisterwerk geglückt, diesmal nach seinem eigenen Drehbuch. Max wird nicht etwa zum Leinwandhelden, der Mutproben besteht, sondern ist getreu nach Sendaks Vision ein sensibler und wilder Junge mit Ängsten, Sehnsüchten und Neugier in einer realen Welt.

Trotz ihrer Zottelpelze, Krallen, und riesigen Mäulern, hinter denen Schauspieler wie James Gandolfini, Chris Cooper und Forest Whitaker stecken, wirken die Monster mit ihren Zweifeln und Wünschen wie ganz normale Menschen, mit netten und bösen Zügen, die mal Spaß, mal Streit haben.

In seiner ersten Hauptrolle spielt der jetzt 12 Jahre alte Amerikaner Max Records den neunjährigen Max. Jonze stellt ihm Catherine Keener als allein erziehende, überforderte Mutter und Pepita Emmerichs als nervige Schwester zur Seite, die für den kleinen Bruder keine Zeit hat. Von „Himmelhoch-jauchzend“ bis „Zu-Tode- betrübt“ reicht seine Gefühlspalette und das von jetzt auf gleich: Erst tobt er ausgelassen im Schnee, dann bricht für ihn buchstäblich eine Welt zusammen, als seine selbst gebaute Eishöhle eingetreten wird. Mal kümmert er sich liebevoll um seine Mutter, mal beißt er sie aus Wut. In der mystischen Monster-Welt, mit riesigen Sanddünen, wilden Stränden, und Wäldern, in denen Blätter vom Himmel rieseln, geht die emotionale Achterbahnfahrt unverändert weiter.

„Jonze hat eine Fantasie verfilmt, die absolut echt erscheint und uns erlaubt, wie Max eine Welt von Schönheit und Terror zu sehen“, lobte die US-Zeitschrift „Rolling Stone“ den Film. Für den US- Filmkritiker Christopher Orr ist es ein „großartiger schonungsloser Film über die Kindheit“, der allerdings für die meisten Kinder nicht geeignet sei. Der düstere Stoff könnte jüngere Zuschauer verstören, pflichteten einige Psychologen bei.

So lief der tiefsinnige Kinderfilm in den USA mit dem Vermerk „Rated PG“, es wird also die Begleitung eines Erwachsenen empfohlen. In Deutschland ist der Action-Streifen ab 6 Jahren freigegeben. Die Deutsche Film- und Medienbewertung sprach ihm das Prädikat „besonders wertvoll“ zu. Er wollte einen Film darüber machen, wie sich Neunjährige gewöhnlich fühlen, sagte Jonze vor dem US-Start. „Die Gefühle eines Heranwachsenden sind genauso stark wie die eines Erwachsenen. Deine Fähigkeit sich einsam, sehnsüchtig, verwirrt oder verärgert zu fühlen, ist gleich tief“. Für ihn sei es kein „düsterer“ Film, so Jonze. „Er hat allerdings Momente, die sehr intensiv sind“. Nachwuchsstar Max Records pflichtete bei: „Natürlich sollen sich Kinder diesen Film ansehen. Ich hätte es mit sieben oder acht vielleicht nicht getan, aber für meinen Bruder in diesem Alter ist es genau das Richtige.“

Autor Dave Eggers, der gemeinsam mit Jonze das Drehbuch nach Sendaks Romanvorlage adaptierte, erzählte dem „San Francisco Chronicle“, dass der 81 Jahre alte Schriftsteller eng mit den Filmemachern zusammenarbeitete und „jedes Wort billigte“. Der Autor und Illustrator hatte 1964 mit den „Wilden Kerlen“ die Caldecott Medal, den bedeutendsten Kinderbuchpreis der USA, gewonnen. Auch das konnte die Diskussion um die Kindertauglichkeit seines Werkes nicht stoppen.

Der geniale Kinderschreck wurde 1928 in New York geboren und wuchs als Sohn jüdischer Immigranten in Brooklyn auf. Seine europäische Familie kam in Hitlers Konzentrationslagern um. Die Erzählungen der Eltern und Verwandten über die Zeit in Polen und andere Kindheitserlebnisse weckten seine Fantasie. Vorbild für die „Wilden Kerle“ seien seine Onkel und Tanten gewesen, verriet er einmal.

 
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