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"Messias" von Ralf Isau
"Messias" von Ralf Isau
ab/am 22.10.2009

"Messias" von Ralf Isau

Osnabrück.
Von Michael Sterzik.
Irland war und ist ein Land voller Legenden und Mythen. Die dort lebenden Menschen sind zumeist etwas schrullig, gar merkwürdig und zugleich von einem tiefen Glauben erfüllt. Als die alte Kirche Duiske Abbey von einem hellen Blitz erhellt wird, dem dortigen Geistlichen ein nackter Mann vor die Füße fällt und das Kruzifix auf einmal ohne Jesusfigur dasteht, sprechen die ersten Stimmen bereits von einem Wunder.
 
Irland war und ist ein Land voller Legenden und Mythen. Die dort lebenden Menschen sind zumeist etwas schrullig, gar merkwürdig und zugleich von einem tiefen Glauben erfüllt. Als die alte Kirche Duiske Abbey von einem hellen Blitz erhellt wird, dem dortigen Geistlichen ein nackter Mann vor die Füße fällt und das Kruzifix auf einmal ohne Jesusfigur dasteht, sprechen die ersten Stimmen bereits von einem Wunder. Der 103-jährige Seamus Whelan, im Ort Graiguenamanagh selbst als "Wunderheiler" bekannt, wird Zeuge dieses Vorfalls. Der nackte, blutende Mann am Boden fleht verzweifelt auf hebräisch um Hilfe. Seine Hände und seine Füße weisen Wunden eines Gekreuzigten auf. Ist es möglich, dass der leibhaftige Jesus vom Kreuz gestiegen ist, dass der Heiland die irdische Welt erneut besucht?

Die Nachricht des "Wunders von Graiguenamanagh" verbreitet sich rasend schnell durch die Medien. Auch der Vatikan wird hellhörig. Der verletzte Mann wird in die Notaufnahme des St Luke's Hospital in Kilkenny eingeliefert, als der Zorn Gottes zwei Menschen aus dem Ort niederstreckt. Die Toten sind als notorische Sünder bekannt, so dass einige vom Strafgericht Gottes sprechen.

Die Kirche ist entsetzt: Was geschieht in diesem kleinen irischen Ort? "Jeschua", wie sich der geheimnisvolle Mann selbst nennt, philosophiert mit Bibelzitaten, seine Vergangenheit bleibt trotzdem im Dunklen. Schon sind die ersten Pilger in Graiguenamanagh, dicht gefolgt von den ersten Journalistenteams, die von diesem einmaligen Wunder aus erster Hand berichten wollen. Der Vatikan sieht sich gezwungen, Licht in diese ominöse Wundergeschichte zu bringen, und entsendet Monsignore Hester McAteer von der "Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse" aus Rom.

Das Provokative an Ralf Isaus Geschichte ist zum einen das Verhältnis der Kirche zu Wundern generell und zum anderen sind es die Gedankenspiele des Autors: Was wäre, wenn Jesus wirklich auf die Erde zurückkämme? Welchen Stellenwert hätte dann die katholische Kirche? Hätte sie Angst um ihre Macht auf Erden, ihren Einfluss eine Milliarde gläubiger Schäfchen? "Jesus" hätte, ohne es zu wollen, eine deutliche politische Wirkung, nicht nur eine spirituelle. Es wäre genauso gut denkbar, dass er erneut zum Märtyrer werden könnte. In jedem Fall wäre sein Auftauchen ein Ende unserer bekannten Welt, entweder in Form des mythologischen Jüngsten Gerichtes oder aber der Beginn eines anderen Denkens. All diese Punkte werden vom Autor intelligent in die Handlung eingebaut.

Ralf Isaus Stil ist für einen Thriller deutlich von Humor geprägt. Dieser wird von den manchmal merkwürdigen und schrulligen Charakteren eingebracht, die den Leser wirklich zum Schmunzeln bringen werden. In keinem Fall empfindet man diese humoristischen Einlagen als störend, sie lockert im Gegenteil die angespannte Atmosphäre auf und unterstützt die Handlung. So rasant die Anfänge von "Messias" sich aufbauen, so schnell stoppt die Dynamik aber leider auch. Schon recht frühzeitig wird ein Teil der Wunder aufgeklärt, doch immer wieder überrascht uns Hesters Vater mit seinen, sagen wir mal: Phänomenen. Zum Ende hin weiß aber der Roman aber wieder durchaus in Sachen Spannung zu überzeugen und führt die Story gekonnt auf die Zielgerade.

Die Figuren sind so detailliert konzipiert, dass man sie durchweg als sympathisch empfindet. Monsignore McAteers Philosophie ist eher rational geprägt. Er verlässt sich auf das, was er sieht, und nicht auf das, was er sich zu sehen wünscht. Verstand und Gefühl trennt er rigoros, aber nur in beruflichen Belangen. Menschlich ist er genauso empfindsam wie viele andere, aber das will er nicht hören und gehört nicht in sein kompaktes Weltbild. Allerdings holt ihn seine Vergangenheit ein, und das heißt für ihn, nicht nur herauszufinden, ob "Jeschua" der Messias ist, sondern auch, was er selbst vom Leben erwartet. Auch dieser Part von "Messias" wird vom Autor spannend erzählt und lässt keine Langeweile aufkommen.

Ralf Isau spielt abwechslungsreiche, psychologische Spielchen mit seinen Protagonisten. Glaubhaft präsentiert er die Skepsis und den tiefen Glauben seiner Figuren, das persönliche Scheitern und Einsehen alter Fehler, Vergebung und Opferung. So wird dem Thriller Leben eingehaucht und dem Leser viel Raum gegeben, um sich eigene Gedanken zu machen.

 

 

Facts
 
Autor: Ralf Isau
Buchtitel: Messias
Verlag: Piper Verlag Verlag
Gattung: Roman
Seitenanzahl: 426 Seiten
Preis 19,95 Euro
ISBN 978-3-5184-1950-2

 

 

 
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